|
|
Interview mit Tikan
Geführt von: Mara
Der rausgesuchte Charakter ist nicht aus Lemna, sondern dem
älteren und dennoch von mir immer noch leicht nostalgisch
geliebten Galtara, zu dem es auch einen Einleitungsfred gibt.
Im Rollenspiel als Notlösungs-NSC aus dem Ärmel geschüttelt
entwickelte sich Herr sa'Kiral zu einer Hauptperson der
stückchenhaft existierenden Romane, weil er perfekt in eine
Lücke passte, die noch gefüllt werden musste. Dementsprechend
hat er viel Hintergrund und Krams, weswegen er auch die Ehre
hat, heute ein bisschen seiner wertvollen Zeit in ein
Interview zu investieren. Hoffe, es ist nicht allzu
langweilig!
Es ist ein später Abend am 27. Tag des Erntemondes – ein
Markttag und nun stünde unter anderen Umständen ein
arbeitsfreier Mondtag an – im Jahre 23 der Republik Kemda.
Unser heutiger Gast sitzt mehr oder minder gelassen in einem
bequemen Stuhl in seinem Arbeitszimmer. Oder besser im
Arbeitszimmer seines derzeitigen Alias’ Tenan Arikon.
Tenan Arikon kennt man in Syr Kimra und in Gesamtkemda als
Herausgeber, der nicht nur mehrere Buchreihen und
Theaterbände unter seinen Fittichen hat, wie sie traditionell
in Kemda hergestellt werden. Er gibt zwei patriotische
Zeitungen heraus und unter der Hand eine ganze Reihe alles
andere als patriotische Schriftwerke. Man kennt ihn ebenso
als etwas verschrobenen Dandy, der dem nostalgischen Stil von
Kleidung anhängt, der an Uniformen der alten Ratszeit
erinnert. Anders als die allgemeine Mode trägt er sein Haar
etwas mehr als schulterlang in einem Pferdeschwanz, die
passend zum allgemeinen Outfit herausgesuchte Brille mit den
goldbraun getönten kleinen runden Gläsern liegt auf einem
niedrigen Tisch neben einem Glas Wein und einer eleganten
Handfeuerwaffe.
Geboren wurde Tenan Arikon jedoch als Tikan sa’Kiral vor
etwas mehr als vierhundert Jahren. Seine Statue steht auf dem
Heldenplatz gegenüber dem Staatsgefängnis, aber die
Ähnlichkeit mit der realen Person ist eher marginal. Er ist
bereits drei Mal gestorben und erwartet, innerhalb der
nächsten vierundzwanzig Stunden seinen vierten Tod inzwischen
mit gewisser Routine hinter sich zu bringen.
Obwohl er als gefragter Mann und inzwischen wohl auch
gesuchter Hochverräter, ehemaliger Hochgeneral und Untoter
wenig freie Zeit hat, nimmt er sich diese paar Abendstunden,
um hoffentlich geduldig den Fragen der Besucher zu
antworten...
Mindblasted: Hallo Tikan,
entschuldige bitte wenn ich auf Förmlichkeiten verzichte
aber dazu bin ich gerade nicht aufgelegt. Ich denke wer 400
jahre hinter sich gebracht hat, kann mit einem Mangel an
Etiketten durchaus zurechtkommen oder diesen sogar als
willkommene Abwechsung geniessen. Stör dich also nicht
weiter, wenn ich direkt zum Du übergehe.
Es würde mich ja interessieren wie du dir so sicher sein
kannst innerhlab der nächsten 24 Stunden zu sterben...Hast
du einen Termin mit einer mörderisch veranlagten Person wie
zum Beispiel einem Henker?
Ziehst du es vor dich selbst zu töten?
Und was passiert danach? Wechselst du deinen Körper? Und
wenn ja, in welchen? Wirst du neue geboren oder stehst du
aus dem Grabe auf...entshculdige das lebhafte Interesse an
so einer intimen Sache, aber wenn man ein wenig
herumgekommen ist stellt man fest das es ziemlich viele
Möglickeiten eines "Leben nach dem Tode" gibt.
Und wie bekommt jemand der Inkognito lebt den Status eines
Hochverräters? War das dein altes Ich oder dein Jetzges?
Und wenn es dein Altes war, wie will man dich den jetzt
noch suchen?
Tikan: Alter ist nicht gut für
Menschen insofern muss ich das du nicht entschuldigen und
du dich nicht an meinem Ton stören. Meiner Erfahrung nach
wird man mit der Zeit entweder übermenschlich
unerträglich altruistisch oder ein sarkastisches
Arschloch.
Und nein, ich habe nicht vor, Selbstmord zu begehen es
sei denn, nicht zu fliehen wird schon als Selbstmord
definiert. Ich hasse Sterben, es ist unangenehm, lästig
und nicht zuletzt schmerzhaft, insofern würde ich es nie
im Leben einfach so mal nebenbei tun. Aber zu dem Punkt,
warum ich mir ziemlich sicher bin: ich habe heute am
frühen Nachmittag eine Sarin-Atomphysikerin plus ihrem
Exsklaven sichtbar für alle Beobachter auf dem zentralen
Platz Syr Kimras eingesammelt und zur Sicherheit auch
noch eine Stadtbesichtigung mit ihr gemacht, damit mich
auch JEDER Idiot mit ihr sieht. Atomphysiker sind
vermutlich das wertvollste Menschenmaterial unserer Tage
und sie obendrein noch Ausländerin. Zwar sind wir mit
Sarin immer noch nicht im Kriegszustand - das noch nicht
wird aber garantiert bald ein nicht mehr, so wie ich die
Hohlschädel der Regierung kenne - aber dennoch kann man
hier leicht und locker jemanden der Spionage anklagen.
Der Geheimdienst der Republik wartet seit Jahren auf eine
gute Ausrede, mich zu verhaften (Anm: lies:
liquidieren ) und eine Untersuchung auf Basis des
möglichen Versteckens einer ausländischen Spionen ist
unter Garantie Anreiz genug.
Kurz: Ich schätze bald erscheinen mehrere nette Herren
unter Bewaffnung und haben vor, die Sarin einzusammeln
und mich gleich nebenbei halbwegs legal zu entsorgen.
Der Grund für den Status als Hochverräter sind die
eigenen Spionagetätigkeiten für eine gewisse Bevianna und
die zahlreichen Flugblätter, die mein Verlag unter der
Hand herausgibt. Für beides wird man sicherlich
ausreichend Beweise finden, wenn man hier im Haus nur
ausreichend genau sucht. Das mit Bevianna wird keiner
glauben aber Flugblätter reichen auch schon...
Erstaunlich, was für ein Krieg hier mit Papier gefochten
wird.
Was das Sterben angeht... ich sterbe schlicht. Ende der
Lebensfunktionen, Ausschalten des Bewusstseins. Beviannas
elende Magie sorgt anschließend dafür, dass ich weder
verwese noch lange tot bleibe, sondern nach gewisser Zeit
halbwegs wieder fit wieder zu atmen anfange. Der
unangenehmste Part neben der für gewöhnlich bescheidenen
Erfahrung des Sterbens an sich ist das Aufwachen in einem
Sarg oder - Geister bewahre - im Krematorium auf dem Weg
zur Einäscherung. Den Verräterfriedhof habe ich mir schon
gut angesehen, nachts meidet den jeder und es ist nur
eine halbe Stunde Wegstrecke zu einer kleinen
Mietwohnung, die ich für solche Zwecke von jemand anderes
habe kaufen lassen.
Mindblasted: Ist diese Bevianna
dann für all das verantwortlich? Es hört sich ja nicht so
an als ob du dich über die Unsterblichkeit freuen
würdest...wenn ich überlege wieviele sich wohl die Finger
nach einer solchen gabe lecken würden. Aber nach 4
Jahrhunderten sieht man das wohl mit anderen Augen.
Ich vestehe nur nicht warum du es anscheinend so auf den
Tod anlegst wenn du ihn für eine eher unanenehme Sache
hältst. Was zwingt dich zu einem solchen Mittel zu greifen
und deine alte Identität zu entsorgen? Und warum die
Atomphysikerin? Was wird mit ihr geschehen wenn du
verhaftet bist?
Und was wirst du tun nachdem du zurückgekehrt bist?
Snapshot: Ich muss meinem
Vorredner zustimmen, Herr sa'Kiral, wenn Sie... ach, ich
werde des Gesprächsflusses halber ebenfalls zum Du
übergehen, Tikan, und erspare dir die unterschiedlichen
Anreden.
Jedenfalls haben deine ersten Worte mindestens ebensoviele
Fragen aufgeworfen wie sie beantwortet haben - ich fürchte
um des Verständnisses Willen musst du etwas weiter
ausholen, sonst stehen uns mit jeder neuen Information
immer größere Fragezeichen ins Gesicht geschrieben...
Ich fange mal bei deinem Alter an - zugegebenermaßen fällt
es mir schwer, das Alter eines Mannes zu schätzen, der zwar
schon seit 400 Jahren lebt, aber nicht einmal ein Zehntel
dieser Zeit äußerlich erkennen lässt.
Allein schon der Umstand, dass du in 400 Jahren "nur"
dreimal gestorben bist, macht stutzig. Bewirkt dieser
Wiederauferstehungszauber (oder sollte ich sagen -fluch?)
etwa, dass dein Körper überhaupt nicht mehr altert?
Demnach wärst du in genau dem Alter gewesen, in dem wir
dich jetzt hier vor uns sehen, als Bevianna dich zu dem
Wiedergänger machte, der du heute bist. Wie sich das
zugetragen hat, warum du unsterblich gemacht wurdest,
welche Nebenwirkungen das hat und was du Bevianna dafür
schuldig bist - all das interessiert uns natürlich
brennend. [* steht schnell auf, zückt
einen großen, klobigen Photoapparat mit gewaltigem
Blitzlicht obendrauf *]
Einen kurzen Moment stillhalten bitte... [* FUMP! *]
Vielen Dank! [* [stellt den
Photoapparat wieder ab und macht sich eifrig Notizen,
schaut Tikan danach erwartungsvoll an] *]
Tikan: [*
Nach dem Photo zuckt kurz die linke Augenbraue, dann
verzieht der Interview-Gast das Gesicht. *]
KeyKeeper: Aeh... darf ich mal
kurz zwischenfragen... wenn man nicht sterben moechte,
warum zeigt man sich dann mit einer auslaendischen
Atomphysikerin, wenn das bewusstermassen zu einem
Spionagevorwurf fuehrt? Das klingt irgendwie entweder
unvollstaendig erzaehlt oder so, als ob du in 400 Jahren
nicht viel schlauer geworden waerst...
Tikan: Nein ich bin nicht viel
schlauer geworden. War ich auch nie. Ich zähle zu meinen
Stärken eher Improvisationstalent, Unausstehlichkeit,
Organisation, das Erledigen von Papierkram und das
Erledigen von Aufständen.
Vor nicht ganz vierhundert Jahren hat Bevianna Alare
beschlossen, dass sie mich lebendig braucht. Das Problem
daran war, dass ich zu dem Zeitpunkt bereits etwas mehr
als zwei Stunden tot war. Der Tod hatte mit inneren
Verletzungen und ähnlich unschönen Dingen zu tun und dass
ich lebend gebraucht wurde mit etwas mehr als zehntausend
Soldaten, die ich mehr oder minder dem Staat unter der
Nase weggestohlen hatte. Kompliziert.
Für gewöhnlich ist es verboten, Menschen wiederzubeleben.
Im Grunde ist es auch bei allen anderen verboten, selbst
untote Katzen werden garantiert nicht gerne gesehen. Das
interessiert Bevianna einen Scheißendreck - dass sie
selber eine Form von Untoter ist trägt vielleicht dazu
bei. Aber für gewöhnlich fragt sie jemanden, ob er im
Fall eines Todes wiederkommen und anschließend mehr oder
minder unsterblich sein will. Das war in dem speziellen
Fall unmöglich und wurde daher mehr oder minder aus ihrer
Etikette gestrichen, statt dessen hat sie die halbe
Familie Damilish eingespannt, die Ärmel hochgekrempelt
und meinen Körper zusammengeflickt, um die Seele wieder
darin festzubinden.
Die Magie hat die Nebenwirkung, dass man anschließend
nicht mehr altert - also nicht äußerlich, innerlich fühle
ich mich durchaus vier Jahrhunderte alt, danke der
Nachfrage - und sich von allem wieder erholt. Auch vom
Tod.
Seitdem die Magie so gut wie verschwunden ist, geht das
mit dem Erholen recht langsam, aber es geht. Ich muss
sagen langsam hätte ich auch kein Problem mehr damit,
wenn die Magie ganz verschwinden und der elende Zauber
sich auflösen würde. So lange es dann endgültig ist und
nicht immer und immer wieder nur zu einem unangenehmen
Aufwachen führt. Ich habe inzwischen alle Alkoholika, die
auf diesem Kontinent produziert werden, durchgetestet,
alles gegessen, was einen nicht umbringt - wie gesagt ich
sterbe nicht gerne - ich meine ich habe sogar mit
Elisande Elivane Dana geschlafen! Ich bezweifle, ob noch
irgend etwas passieren kann, das das Leben spannender
macht.
Was noch ein wenig spannend ist, ist Bevianna. Und ihre
Hysterie. Sie behauptet, die Magie kommt zurück - sie
könnte mir ja auch gestohlen bleiben - und sammelt mit
Bieneneifer Hinweise und Leute mit dem Erbfunken, die bei
einem unmöglichen erneuten Öffnen der Tore halt zaubern
könnten. Imala Maranoge ist angeblich so eine, ebenso wie
ihr Dalu-Leibsklave. Leider waren beide holzköpfig genug,
in Kemda einzureisen und überall aber auch überall
gesehen zu werden.
Beviannas genialer Plan - genial heißt aus irgendeinem
Grund, dass immer jemand anderes den Hals riskiert -
besteht darin, dass Imala und ihr Schoßhündchen... ich
glaube er heißt Idal... mit mir festgenommen werden.
Tenan Arikon wird liquidiert, aber eine Atomphysikerin
mit dem gesamten Wissen der Sarin-Forschung - wenn es
irgendwo einmal den großen Bumms gibt dann waren die
daran beteiligt - wird man sauber einpacken, aber nicht
in irgendeiner Form riskieren.
Mir steht ein Ausflug auf den Verräterfriedhof bevor,
nachdem ich offziell tot bin. Mal wieder. Was heißt, dass
ich mich außerhalb der Öffentlichkeit als jemand anderes
leben kann. Der nächste Schritt wäre dann, Imala
möglichst schnell dem Staat wieder abzuluchsen, bevor sie
in eine wirklich sichere Einrichtung kommt. Wie? Ich
zitiere Bevianna: "Dir fällt sicher etwas ein..."
Insofern bin ich in vier Jahrhunderten keinen Hauch
schlauer, weil ich immer noch auf eine Bitte von ihr mit
Hurra und Hallo zusehe, dass mich jemand erschießt. Wenn
jemand meine Selbstachtung oder mein Hirn gesehen hat,
sagt mir einfach bescheid...
Snapshot: Nun... [* kratzt sich mit dem hinteren Ende des Stifts am
Kopf *] ... was spricht dagegen, Bevianna und ihren
wie auch immer gearteten großen Plänen einfach den Rücken
zu kehren? Mit viel Eifer scheinst du ja nicht gerade für
sie zu arbeiten...
Oh, und eine vielleicht hypothetische Frage: Gibt es in
deinem momentanen Zustand - und solange die Magie noch
präsent ist - tatsächlich keine Möglichkeit zu sterben?
Und apropos präsente Magie - was meinst du damit? Ist die
Magie als Ganzes, als Kraft oder was auch immer, in den
letzten Jahrhunderten schwächer geworden? Ist das eine
natürliche Entwicklung, und weiß die Öffentlichkeit davon?
Tikan: Ich denke ich kann nicht
sterben. Bisher hat es nicht funktioniert, aber ich habe
jetzt auch nicht jede erdenkliche Möglichkeit getestet,
verständlicherweise. Vielleicht ist es inzwichen möglich,
mit der drastisch gesunkenen Magie auf Galtara, wenn...
sagen wir es so, vielleicht würde eine ausreichend
gründliche Zerstückelung funktionieren.
[* Er runzelt die Stirn und tippt
mit den Fingern auf die Armlehne. *]
Werde ich trotzdem nicht testen. Das einzige was ich mir
unangenehmer vorstelle als nach einem Tod wieder
aufzuwachen, wäre in Stücken aufzuwachen. Nein danke.
Die Magie ist übrigens praktisch weg, weil Bevianna, ein
ganzer Stall voll Erbmagiern und eine Alfarn orn Golaghin
- Shaysaye oder so? - die Tore geschlossen haben. Die
Übergänge zu den Welten, aus denen die Magie kommt.
Seither wird der Erbfunke nicht mehr in Menschen aktiv
und nur, wer schon magisch war als es passiert, behält es
noch ein bisschen. Und ich denke das ist der Grund, warum
ich mit Bevianna zusammenarbeite. Wir sind nur noch drei,
die aus der Zeit vor dem Ende der Magie übrig sind. Ich
bin kein elender Nostalgiker, ich mag elektrisches Licht
und Eisenbahnen, aber trotzdem bin ich in einer Zeit
aufgewachsen, wo ein Pferd so ziemlich die schnellste
Fortbewegunge am Boden war. Und so sehr ich es
verabscheue, hin und wieder genieße ich es mit jemandem
zu reden, der es einfach versteht, wenn man
kontinuierlich die Zeiten an sich vorbeiziehen sieht ohne
dass es mal ein Ende hat.
Und am Ende schätze ich, dass ich die alte Dame doch mag.
Und irgendwo auch den dummen Blinden, den sie mit sich
rumschleift.
Der Blick gleitet etwas nachdenklich ab, fokussiert sich
dann aber wieder auf die Gäste.
Übrigens, wenn irgendjemand von euch mal gefragt wird, ob
er oder sie unsterblich sein will: macht einen
Ausstiegsknopf zum Teil der Abmachung. So kommt man
wenigstens nicht in Versuchung, ein jammernder alter Narr
zu werden, der immer nur über die Moderne, die
Unsterblichkeit und so einen Scheiß klagt.
Mindblasted: Wäre es nicht
einfacher sich direkt mit der Atomphysikerin aus dem Staub
zu machen anstatt sich erst töten zu lassen und das dann zu
tun? Dann wäre zwar der Verräterstatus bestätigt, aber
jetzt wirds das auch passieren...und du landest auf dem
Friedhof.
Ich verstehe nicht nur warum dieser Plan genial sein soll,
ich verstehe nicht einmal was er überhaupt bringen soll
außer das du dabei stirbst.
Tikan: Ich schätze Bevianna
dachte dabei, dass im Todesfall niemand mehr nach Tenan
Arikon suchen wird, bei einer Flucht jedoch schon und
dann auch noch intensiv. Ich würde dir ihre Nummer geben
aber sie misstraut Funk...
Mindblasted: Naja...wenn man dich
sucht und erwischt kannst du ja immer noch den
ursprünglichen Plan durchziehen. An deiner Stelle würde ich
mir das mit dem Sterben noch mal überlegen...
Tikan: [*
Sieht auf die Uhr und runzelt die Stirn. *]
Ein bisschen spät dafür. Ich glaube das mit dem 'in
vierhundert Jahren nicht schlauer geworden' ist ein
ersteres Thema als ich dachte...
Vinni: Ich glaube, hätte ich mir
auch eine schmerzlosere Variante für den Tod gesucht, wenn
es denn unbedingt sein muß... Ich kann mir vorstellen,
diese Geheimpolizei ist nicht gerade zimperlich...
Als nächstes mußt du dann nicht nur die Atomphysikerin
befreien, sondern dir ein komplett neues Leben aufbauen?
Ich stell mir das schwierig vor, es darf dich ja keiner
erkennen, nicht mal Freunde und bisherige Wegbegleiter. Da
bist du sicher ziemlich einsam?
Tikan: Ist nicht das erste Mal,
dass ich mir ein komplett neues Leben aufbaue. Tenan
Arikon ist glaube ich Person Nummer sieben, als die ich
unterwegs bin. Es wäre ohnehin Zeit, ihn langsam zu
beenden... ich schätze nur tatsächlich, dass die einzig
effektive Vortäuschung seines Todes eben im Sterben
liegt. Würde er einfach nur untertauchen, gäbs keine
ruhige Minuten mehr. Denn beim Aufspüren von Personen
zeigt die 'Polizei' auch nicht viel Zimperlichkeit. Und
ich habe hier einen ganzen Stab von Angestellten, die
zwar explizit Weisung haben, alles Wissen über
anti-patriotische Geschäfte zu leugnen und die Schuld auf
mich oder einige, die in den letzten Monaten ohnehin
schon verhaftet und verschwunden worden sind abzuwälzen.
Ich habe keine Ahnung, inwiefern ihnen das gelingen wird,
aber immerhin stehen mehrere Konten für sie bereit, wenn
sie mit Ende des Arikon Verlags erstmal akut arbeitslos
sind. Eine aktive Suche nach ihrem Ex-Chef würde
jedoch... unangenehme Konsequenzen für sich haben, da bin
ich mir ausgesprochen sicher.
Einsam? Das klingt jetzt irgendwie... dramatischer als es
ist. Ich gebe zu ich habe nicht allzuviele dauerhafte
Bekanntschaften und Freundschaften und werde sicherlich
auch eine Menge Leute nicht mehr sehen, die ich vermissen
werden, aber so geht es im Endeffekt jedem, oder?
Was das zurückklauen von Imala angeht: Bevianna hat
'Unterstützung' versprochen und wenn sie da Mist baut,
werd ich grantig.
Vinni: Wer ist eigentlich diese
Elisande Elivane Dana, daß du es so besonders erwähnst, mit
ihr geschlafen zu haben? Klingt, als hältst du das für eine
besondere Leistung.
Tikan: Elisande Elivane Dana
war ihrerzeit Hurenkönigin Sula sai Nivans - also
Vorsitzende der Gilde für Prostituierte und Lustknaben -
und angeblich die schönste Frau des Kontinentes. Keine
falsche Einschätzung. Und bevor falsche Gerüchte
aufkommen: es war weder eine geschäftliche noch eine
Liebesbeziehung und ein einmaliger... Vorfall. aber
definitiv bemerkenswert.
Merlin: Auch hier eine Frage.
Wieso überleben Bevianna und ihre magisch Begabten diese
lange Zeitspanne?
Sind auch sie untot? Was ist überhaupt an Bevianna untot?
KeyKeeper: Noch eine Frage zu
dieser Bevianna: Wie doof muss man eigentlich sein, um als
Magier die Tore zu anderen Welten zu zerstoeren, wenn
dadurch die Magie verschwindet...
... aeh... fragt jemand, der selbiges auch schon gemacht
hat Wobei ich zugeben muss: Das sollte der Weltrettung
dienen und fuehrte letztlich nur zu einer Veraenderung,
nicht zur Zerstoerung des magischen Feldes... und zu einer
Veraenderung der Vergangenheit, aber das ist eine andere
Geschichte
Tikan: Bevianna hielt das
damals für eine gute Idee weil... ja weil sie es glaube
ich satt hatte, dass permanent aus anderen Welten was
hierher kam, in erster Linie die Mahti. Eigentlich aber
war die Idee von den Alfarn orn Golaghin, die uns
erzählten, sie hätten ein schlechtes Gewissen, weil es
ihr Krieg war, der die Mahti so angepisst gemacht hat.
Die haben auch das Knowhow geliefert und schaut wohin es
uns gebracht hat. Wir brauchen gar keine Wesen aus
anderen Welten, wir führen wunderbare Kriege auch so ganz
alleine und ohne Magie.
Tatsächlich scheint ohnehin der Kram nicht zu hundert
Prozent weg zu sein, mehr aufgestaut und langsam sickert
ein bisschen was durch.
Oh und unsterblich - oder etwas ähnliches, sind Bevianna
und Arahu aus unterschiedlichen Gründen. Bevianna ist
eine Seodan, im Gegensatz zu meiner Wenigkeit ist ihre
Seele zerstört worden und nicht ihr Körper, aber auch das
lässt sich beheben. Und Arahu... das verstehe ich auch
nicht und es hat irgend etwas mit Ghiiotar zu tun, einem
Material, das auf magischem Wege aus Gold hergestellt
wird.
Latsi: [*
verwirrt guck *] Wer oder was ist denn jetzt Arahu?
Was ist ein Seodan? Und wie kann man mit zerstörter Seele
weiterleben?
Ähm, guten Abend Tikan erst mal.
Darf man fragen, wie du bisher zu Tode gekommen bist? Ich
meine, besteht jetzt nicht die Gefahr, dass du geköpft oder
gehängt wirst als Verräter? Wie kommt die Magie mit solchen
Beschädigungen des Körpers zurecht?
Und es ist bisher keinem aufgefallen, dass da jemand lebt,
der einem Verstorbenen unglaublich ähnlich sieht? Ich
meine, deine Aliase scheinen ja auch keine einsiedlerische
Bergbauern gewesen zu sein, sondern gerade dein derzeitiger
ist ja eher eine Person des öffentlichen Lebens... Wie
gehst du da vor, wenn du wieder "aufwachst", um dir eine
neue Identität aufzubauen, ohne dass es jemandem auffällt?
Wechselst du jedes Mal die Stadt oder gar das Land?
Tikan: Guten Abend...
...und Arahu ist in lang Arahu Amakasu Damilish ki'Sekul
und wenn ich übersetze, dass seine Vornamen 'die lange
erwartete göttliche Flamme' bedeuten, bekommt vielleicht
jeder einen Eindruck davon, was für ein eingebildetes
Miststück seine Mutter sein konnte. Abgesehen davon war
und ist er wohl der mächtigste existente Magier und hat
erst für Bevianna gearbeitet, sie dann verraten und dann
nochmal seine Meinung geändert. Scheint, als würde sie
ihm wieder vertrauen.
Das erste Mal gestorben bin ich vor Sula sai Nivan, weil
ich versucht habe, einen Mahti zu töten. Das ging ein
wenig schief.
Das zweite Mal bin ich ertrunken. Nicht zu empfehlen. Das
war sozusagen mein offizieller 'Tod' als Persönlichkeit
der Geschichte, anschließend bin ich mit kurzen Haaren im
Norden des Kontinentes herumgetingelt - und ich möchte
hier anmerken, dass langes Haar den Status anzeigt und
wir Kemda chronische Kältehasser sind.
Das dritte Mal wurde ich erschossen, da war die Erfindung
von Feuerwaffen noch recht neu und woher soll ich denn
wissen, dass das Ding gefährlich ist.
Tenan Arikon - also ich derzeit - ist vom
Wiedererkennungswert her kein großes Problem. Das Bild
meiner eigentlich Identität, das jeder kennt - die elende
Statue vor dem Staatsgefängnis - ist dermaßend
unzutreffend, dass man als Ähnlichkeit nur veranschlagen
kann, dass wir beide zwei Augen, eine Nase und einen Mund
im Gesicht haben. Nach Tenan... ich schätze die Haare
müssen wieder ab und vermutlich die Farbe ändern und was
sonst noch möglich ist. Ich habe jedoch früher schon
festgestellt, dass die meisten Menschen eher die
aufgebaute Person rings um den Menschen sehen: die
Haltung, die Kleidung, die Haartracht... Schon in meiner
Jugend reichte es, barfuß zu schlurfen und die langen
Haare zu verstecken, um in einfacher Tracht nicht mehr
als Adeliger erkannt zu werden.
Snapshot: Deine Jugend - das ist
die perfekte Steilvorlage für mich, denn ich wollte als
Nächstes nach deiner Herkunft fragen. War dein Werdegang -
zumindest bis zu dieser Verzauberung - sozusagen
standesgemäß? Und gab es für dich nach den ersten, nun
sagen wir, 100 Jahren noch Erlebnisse, von denen du sagen
würdest dass sie dich charakterlich geprägt haben? Anders
gesagt: Kann sich ein 400-Jähriger noch ändern?
Tikan: Nur zum Negativen.
Was meine Laufbahn angeht: Kemda hat sich zu meiner Zeit
vor allem auf drei Dinge gestützt: seien Händler, seine
Armee und seine Wissenschaft. Mein älterer Bruder war
Händler, mein jüngerer ein ki'Kemda und Forscher. Für
jemanden ohne das Interesse für Preise und
Verhandlungsdetails und ohne die intellektuelle Begabung
und Magie eines ki'Kemda gibt es im Adel am Ende daher
immer noch das Militär.
Ich bin vielleicht nicht der Schlauste, aber mit Waffen
weiß ich umzugehen und wenn ich für irgend etwas
Intelligenz habe, dann wenigstens für Taktik. Ausbildung,
Meldereiter im Amvadenkrieg und drastische Rangerhöhung
durch das chronische Wegsterben von Offizieren... nach
dem Krieg bin ich zwar zurückgestuft worden, aber meine
weitere Laufbahn hat zusammen mit den Unmengen von Geld
meines älteren Bruders Kion und der allgemeinen
Wunderkindhaftigkeit von meinem jüngeren Bruder Talen
durchaus zum Aufstieg der Familie si'Kiral zu sa'Kiral
geführt.
Mit 35 war ich General in der Nordarmee und mit 38
Hochgeneral. Was einerseits noch mehr Papierkram mit sich
bringt, aber andererseits bedeutet, dass ich im
Kriegsfall einer der drei Männer bin, die in Kemda tun
und lassen können, was sie wollen. Und sich bei einer
Schlacht einem ziemlich archaischen Ritual folgend zum
Yeketokanu - dem Sterngeist des Krieges - in Menschenform
ausrufen zu lassen...
...und ja, das ist ziemlich standesgemäß für eine
Familie, die gerade erst das sa Präfix erhalten hat.
Zu meinem Charakter möchte ich eigentlich nichts näheres
sagen und ich achte auch nicht darauf, was mich jetzt wo
warum prägt. Ich gebe zu, dass zwischen zweihundert und
dreihundert eine Menge Phasen meines Lebens sind, an die
ich mich nur vage erinnere - können nicht spannend
gewesen sein. Aber ändern ist unvermeidlich, allein Dinge
wie Eisenwagen, Schienenstraßen, Funk und Schusswaffen...
Und ich schätze mal, dass der sich gut zum Weltkrieg
entwickelnde Krieg unter Umständen so eine auch in späten
Jahren noch prägende Sache werden könnte.
Hans: Da wir gerade von Jugend
reden Herr Tikan, eine der brennendsten Fragen aller Zeiten
auf die Sie mit Ihren 400 Jahren vielleicht eine
überblickende Antwort gefunden haben:
Wird die Jugend tatsächlich immer schlimmer?
Tikan: [*
Einen Moment sieht er verdutzt drein, dann muss er
grinsen. *]
Ich würde gerne sagen ja, aber insgesamt habe ich nicht
das Gefühl, dass die heutigen Jugendlichen dreister,
ungebildeter oder sonst irgendwie schlimmer wären als ich
in ihrem Alter. Es ist mehr so, dass sie insgesamt anders
denken. Ein Gespräch zwischen Jugendlichen kommt für mich
zuweilen einer Codierung gleich..
... aber ansonsten sind sie immer noch sehr Kemda.
Eingebildet, stolz, patriotisch und freuen sich auf
Krieg. Das ist jedoch eindeutig ein Fehler der Herkunft
und nicht des Alters.
Mindblasted: Sag mal Tikan, rein
aus Interesse...wenn du wüsstest das du morgen zum ersten
Mal definitiv nicht mehr aufwachst: Was hättest du heute
anders gemacht?
Tikan: Ich...
[* Er runzelt die Stirn und tippt
mit einem Finger nachdenklich auf die Lehne des Sessels.
*]
...ich denke ich hätte hervorragend gegessen, hätte dann
meine Familie enterbt - nicht dass es funktioniert hätte
- hätte mir eine Theatervorstellung mit Sana Suniqua
angesehen und anschließend irgend etwas Abwertendes mit
dem neuen Ratsgebäude gemacht. Dann hätte ich Bevianna
gesagt, dass sie sich gefälligst selber um alles kümmern
kann.
Obwohl wenn ich ehrlich bin: vielleicht hätte ich doch
nichts anders gemacht. Sollte man aus dem letzten Tag
einen besonderen machen? Irgendwas dran ändern? Beim
ersten Mal Sterben war ich mir sogar ziemlich sicher,
dass ich nicht überleben würde - und ohne Bevianna wäre
es auch so gekommen - und ich habe trotzdem nicht
beschlossen, einfach blau zu machen und alles sein zu
lassen.
|